Softwareentwickler sind gefragt wie nie
Das Jobangebot für IT-Profis in Deutschland ist innerhalb eines Jahres um 13% gewachsen. Besonders begehrt sind Softwareentwickler.
Zusammenfassung
Was des Einen Freud, ist des Anderen Leid. Entwickelte sich im abgelaufenen Jahr »Fachkräftemangel« zum Leidwesen der Unternehmen zum Buzzword, so zeigt sich der Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten aus Bewerbersicht von seiner Sonnenseite. Wohl dem, der dieser Tage vor dem Abschluss seines Informatikstudiums steht, locken hier doch aktuell beste Aussichten auf einen lukrativen Job. 40 Tageszeitungen sowie die Zeitschrift Computerwoche wertete der Personaldienstleister Adecco für das Jahr 2007 aus und kam zu dem Schluss: Kaum eine andere Berufsgruppe wird derzeit so stark umworben, wie die Informatiker. Waren im Jahr 2004 noch 16.673 Arbeitsplätze ausgeschrieben, erhöhte sich diese Zahl im folgenden Jahr auf 20.961 und in 2006 auf 25.412. Für das Jahr 2007 registrierte Adecco 29.344 angebotene IT-Arbeitsplätze und konnte so den Trend der vergangenen drei Jahre bestätigen.
Diese Entwicklung hat nun auch die Hochschulen erreicht. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts immatrikulierten sich im Studienjahr 2007 knapp 30.300 Studienanfänger im Fachbereich Informatik an deutschen Hochschulen. Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) macht darin eine Trendwende aus, reduzierten sich nach dem Höhepunkt im Jahr 2000 mit rund 38.000 Studienanfängern in der Informatik die Zahl der Studienanfänger doch bis zum letzten Jahr auf zirka 29.100. GI-Präsident Matthias Jarke hierzu: »Wir begrüßen, dass endlich die Trendwende geschafft zu sein scheint. Gut ausgebildete Informatikerinnen und Informatiker haben hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt, und dies wird bei entsprechender Schwerpunktsetzung im Studium auch so bleiben.«
Besonders begehrt sind laut Computerwoche demnach Softwareentwickler. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der Jobangebote in diesem Bereich um über 20 Prozent auf 6534 erhöht.
Ebenfalls gesucht sind laut Computerwoche Internet-Spezialisten. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2007 rund 30% mehr freie Stellen ausgeschrieben (1265). Mit 3462 offenen Stellen bleiben auch Netz-, Datenbank- und Systemspezialisten weiterhin gefragt. Vergleichsweise bescheiden ist die Entwicklung der Stellenausschreibungen bei Wirtschaftsinformatikern. Lediglich 3% aller ausgeschriebenen Stellen suchten explizit nach diesem Abschluss, noch ein Prozent weniger suchten Betriebswirte, gefolgt von Mathematikern und Physikern.
Nach einer Studie des Consulting-Unternehmens und Softwarehauses PPI ist vor allem IT-Nachwuchs gefragt, der in Prozessen denken und ganzheitliche IT-Strategien entwickeln kann. Arbeitsabläufe und Geschäftsprozesse zu verstehen, sei heute »essentielles Know-how für IT-Fachkräfte und die wichtigste Veränderung der Anforderungen«, so PPI. Zwar richten sich nach PPI 62,4 Prozent der Stellenausschreibungen an Bewerber mit Informatikabschluss, das sei aber kein Muss. 36,3 Prozent der Unternehmen suchten Ingenieure, ein Drittel Wirtschaftswissenschaftler, 12,1 Prozent der Unternehmen ließen die Studienrichtung bewusst offen. So nehmen Einarbeitungs- und Traineeprogramme zu und auch Quereinsteiger bekommen in diesem Zusammenhang ihre Chance, sofern sie ihre Neigung zur IT durch praktische Erfahrungen belegen können.
Den größten Bedarf an IT-Spezialisten haben, wie im letzten Jahr, die Beratungs- und Softwarehäuser. 7473 offene Jobs verzeichnete die Branche, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Zuwachs aller Branchen verzeichnet demgegenüber der Maschinen- und Fahrzeugbau. Satte 38 Prozent Mehrbedarf auf 4538 Positionen stehen noch vor dem öffentlichen Dienst (2830), Konsruktionsbüros (2693) und der Elektrotechnik. Kaum Bewegung herrschte vergangenes Jahr hingegen, trotz Restrukturierungen und Reorganisationen, bei den Finanzdienstleistern. Auch Telekommunikations-, Konsumgüter- und Chemieindustrien verzeichneten kaum nennenswerte Zuwächse an IT-Fachkräften.
Einziger Wermutstropfen bei der ansonsten guten Aussicht für Beschäftigte der Hightech-Branche: Nach Aussage der Arbeitgeberverbände ist weniger als ein Prozent der angebotenen Stellen für Teilzeitkräfte vorgesehen. Die Möglichkeit, mehr Zeit für Hobbies, Nachwuchs oder den Traum von der Work-Life-Balance zu haben, nimmt in der Branche eine eher untergeordnete Position ein.
