Innovationsgenerator statt »Fauler Freitag«
Zusammenfassung
Die itemis AG ist ein mittelständisches IT-Beratungsunternehmen in Lünen im Ruhrgebiet. Für seine fortschrittliche Personal- und Innovationskultur ist itemis als bestes Unternehmen beim diesjährigen Mittelstandswettbewerb »Top Job« und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als »Exzellente Wissensorganisation« ausgezeichnet worden. Anja Kiefer-Kaufmann, Personalmanagerin bei der itemis AG, beschreibt das Konzept.
Die Begrüßung des Personalteams der itemis AG auf einem Fachsymposium überraschte: »Ach, itemis AG. Sind das nicht die mit dem Lazy Friday?« Fauler Freitag? Nicht ganz! Itemis ist das Unternehmen mit dem »4+1-Arbeitszeitmodell«. »4+1« bedeutet, dass jedem Mitarbeiter pro Arbeitswoche ein Tag zur persönlichen Weiterentwicklung zur Verfügung steht.
Das Geschäft des mittelständischen IT-Beratungsunternehmens mit über 100 Software-Entwicklern und IT-Beratern besteht darin, Kunden innovative Lösungen zu liefern, die in immer kürzerer Zeit Marktreife erlangen müssen oder hochaktuelles Methodenwissen in das Team des Kunden einzubringen. itemis braucht deshalb einen effizienten Wissenstransfer unter den Mitarbeitern und muss umfassendes Know-how aufbauen. Daher schafft das Unternehmen die passenden Rahmenbedingungen, damit sich die Mitarbeiter gezielt austauschen und das Wissen untereinander weitergeben und damit potenzieren können.
Zum Konzept »4+1« gehören neben Einarbeitungs- und Trainingsprogrammen auch Gesundheitsmodule. Aus Study Groups werden Podcasts für alle Mitarbeiter im Unternehmen.
»4+1« ist der Oberbegriff für eine ganze Reihe von Konzepten aus dem Personal- und Gesundheitsmanagement: das Einarbeitungsprogramm, die »itemis Trainings Series«, Study Groups, Fachbücher und -artikel, Forschungs- und Open-Source-Projekte und den Englischunterricht. Dazu gehören aber auch die unternehmensinternen Sportkurse wie Schwimmen und Golf sowie die Rückenschule »Rücken fit«, in der die Rückenmuskulatur für den Büroalltag gestärkt wird.
Einführungsprogramme durch Training in der Kurzarbeit ersetzt
Jeder neue Mitarbeiter kann an den 13 Veranstaltungen des Einarbeitungsprogramms teilnehmen. Hier stellen die itemiker an ein bis zwei Tagen pro Woche ihre Spezialthemen vor. Dadurch lernen die Absolventen, aber auch die bereits berufserfahrenen neuen Kollegen, in den ersten Wochen die Kernthemen des Unternehmens und die dazugehörigen Ansprechpartner kennen. Der Personalbereich koordiniert die Themen, Termine und Dozenten in zyklischer Abfolge, sodass sich die neuen Kollegen zur Teilnahme anmelden, sobald es in ihre Einarbeitungsphase passt. Neben fachlichen Themen bietet das Unternehmen hier Workshops zu »Soft Skills für Softwareentwickler« und »Teamwork« an. Während der in der Krise erforderlichen Kurzarbeit und Einstellungspause wurde das Einarbeitungsprogramm durch die »itemis Trainings Series« abgelöst. An mindestens zwei Tagen pro Woche schulten Mitarbeiter, die vorübergehend nicht in Projekten arbeiteten, ihre Kollegen, die in dieser Zeit ihr Fähigkeitenprofil ausbauen konnten.
Wöchentliche Podcasts aus den Expertengruppen
Als besonders innovative Bausteine gehören die Study Groups zum Konzept. In der Informatik erscheinen neue Methoden, Konzepte und Technologien in einer solchen Vielzahl auf dem Markt, dass es manchmal kaum möglich erscheint, aus dem unüberschaubares Dickicht diejenigen zu filtern, die für das Unternehmen und seine Kunden wertvoll sein können. Hier kommen die Study Groups zum Zug. Sobald ein Mitarbeiter ein interessantes Thema für sich identifiziert hat, sucht er Gleichgesinnte und gründet in Eigenregie eine Gruppe. Die bis zu sechs Kollegen arbeiten sich selbstständig in die neue Technologie ein, um ihre Erkenntnisse dann bei einem Gruppentreffen auszutauschen. Dabei wird diskutiert und entschieden, ob es sich um ein lohnendes Thema für das Unternehmen handelt. Die Ergebnisse der Study Groups werden im wöchentlichen Podcast oder bei einem der zwei jährlichen Zusammenkommen aller Mitarbeiter an die gesamte Belegschaft weitergegeben. Vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ist Itemis dafür als »Exzellente Wissensorganisation« ausgezeichnet worden.
Fachbücher aus der Praxis
Mitarbeiter des Unternehmens verfassen im Rahmen des 4+1-Modells laufend Fachartikel. Über diese Artikel wird itemis sowohl von ihren Kunden als auch von potenziellen Bewerbern wahrgenommen. Nicht zuletzt diesen Fachartikeln, die in einschlägigen Fachpublikationen wie dem Java Magazin erscheinen, verdankt das Unternehmen einen großen Teil der qualifizierten Bewerbungen. Mehrere Mitarbeiter haben auch schon Fachbücher verfasst, zum Beispiel zu den Themen modellbasierte Softwareentwicklung und Webdesign.
Natürlich wäre es unrealistisch davon auszugehen, dass alle Mitarbeiter ihre aktuellen Projekte in jeder Woche für einen Arbeitstag verlassen können. In manchen Kundenprojekten oder in heißen Phasen ist dies schlicht nicht möglich. Deshalb sind in den Arbeitsverträgen 20 Prozent der Arbeitszeit als Quote für die Weiterentwicklung verbrieft. Oft wird dies dann blockweise realisiert, beispielsweise zwischen zwei Projekten.
Die IT-Branche zeichnet sich durch rasante Innovationskraft aus. Da muss natürlich die Personalentwicklung Schritt halten. Deshalb wird die itemis AG auch weiterhin neue Konzepte entwickeln und ausprobieren, um ihren Mitarbeitern optimale und zeitgemäße Weiterbildungschancen zu ermöglichen.
